Projektrezensionen und Pressestimmen
zu Projekten von Maika Knoblich und Hendrik Quast
2010 - 2017


Performance „Nagelneu“, Sophiensaele Berlin und FFT Düsseldorf

Rheinische Post, Mai 2017
„Maika Knoblich hockt auf dem Boden und sortiert Nagellackfläschchen. Hendrik Quast steht neben ihr und erzählt. Die beiden Künstler haben in den Räumen des Forum Freies Theater (FFT) eine Nagelbar eröffnet. Hier verbinden sie Nagelkunst mit einer künstlerischen Performance. Sie haben wirklich Kurse in einem Nagelstudio absolviert und verbinden dieses Fachwissen nun in einer bunten Veranstaltung. Die Leinwand ist der Nagel eines jeden Menschen, der das FFT besucht. Wichtigster Fakt: Die Künstler suchen sich ihre Kunden aus, nicht umgekehrt. Haben sie ihre Kunden gefunden, legen die beiden los. Während Maika am Nageltisch bleibt, die Nägel weiß grundiert und dann mit bunten Punkten bedeckt, nutzt Hendrik die Aktionsfläche. Wenn die Grundierung getrocknet ist, nimmt er bunten Lack mit einem Strohhalm auf und pustet die Farbe auf die weiß grundierten Nägel.Die Künstler haben sich eine eigene Welt erschaffen, die sie im FFT leben. Sie haben eine Katze, die Kitty heißt. Kitty war mal Veganerin. Das erzählen Hendrik und Maika ihren Kunden, während sie Nägel verschönern. Es entwickeln sich unvorhersehbare Gespräche während der Maniküre.“

BZ, Juli 2016, Juliane Primus
„Hendrik Quast (31) geht für Kunst über Leichen. Bei der Performance „Mohrle“ zog er sich ein Katzenkostüm an und präparierte vor Publikum eine echte Maus. Am Samstagabend wird es vergleichsweise lebhaft. Für die Performance „Nagelneu: Ladies Night“ in den Sophiensaelen setzt Hendrik Quast nur eine Perücke auf und wirft einen Kittel über. Und er seziert nicht, er feilt. Voilà, fertig ist der Nageldesigner! Mit dabei: Seine Kollegin Maika Knoblich (30). (...) Blumen binden und Tiere ausstopfen konnten sie schon. Jetzt haben sie sich in einer Schöneberger Nagelakademie drei Monate lang zu Nageldesignern ausbilden lassen, können nun diverse Nagelpilze herunterbeten und jeden Lack-Wunsch erfüllen.“


Performance-Aktion „Der Ur-Forst“, Impulse Festival 2015,
Ringlokschuppen

Theater heute, September 2015, Dorothea Marcus
„Und dann schließt das Festival noch mit einem verblüffend schlichten Beitrag darüber, wie der Mensch Natur in Kunst und Repräsentation verwandelt, dessen gedankliche Komplexität es aber in sich hat. Im ‚Ur-Forst’ lässt das Performancepaar Hendrik Quast & Maika Knoblich im Mülheimer Stadtforst eine echte Eiche fällen und sie in sechs Stunden vor dem Ringlokschuppen in Mülheim wieder aufbauen, ‚alles von Hand montiert’, als sei der neue Baum ein neues Bioprodukt auf dem Markt. Zum realen Kunst-Erlebnis wird dann einiges launig aufgefahren: Vögel zwitschern vom Band, ein Kinderchor singt vom Zirkel des Lebens. Mit Dandy-Schnurrbart und im falschen Klunkerkleid am Tisch sitzend, kommentiert das launige Moderatorenpärchen die Inbesitznahme der Natur zum Zweck der künstlichen Reproduktion – was sich vom albernen Happening immer wieder in eine Weltmetapher verwandelt, in einen genau vermessenen Vorgang vom Urgrund des Menschseins, der nebenbei Kunst- und Philosophiegeschichte, Umweltschutz und Ökobewegung assoziiert. Kann sich der Mensch wirklich die Umwelt künstlich erschaffen, obwohl der fertig wiedererschaffene Baum ja trotzdem grotesk künstlich aussieht? Sind so erschaffene Repräsentationsobjekte nicht nur jämmerliche Krücken für echtes Erleben? Schöner und schlichter hätte man das vermessene und fatal erfolgreiche Streben des Menschen, immerzu im Namen von anderen zu agieren, nicht zusammenfassen können.“

Nachtkritik vom 21.6.2015, Friederike Felbek 
„Aber auch Newcomer wie (...) Hendrik Quast & Maika Knoblich, die mit ihrem Beitrag "Der Ur-Forst" die vielleicht ungewöhnlichste und spektakulärste Aufführung des Festivals lieferten: In einem süffisant ironischen Ton zelebrieren die beiden Performer ausdauernd über sechs Stunden ihre kränkelnde Hauptdarstellerin – die deutsche Eiche – und kommentieren spannend wie lehrreich den absurden Vorgang, einen 800 kg schweren Baum in seine Einzelteile zu zerlegen, auf der Drehscheibe des Ringlokschuppens wieder zusammenzusetzen, um sie dann endgültig zu fällen. Dazwischen gibt es Gelegenheit, Selfies mit der Eiche zu machen und der Zeichenkurs der VHS Mülheim pinselt in den unterschiedlichsten Techniken live mit. Quast und Knoblich schaffen es, so etwas wie "Nachhaltigkeit" in Zeiten von Umwelt-Enzyklika und Klima-Gipfel plastisch zu machen. Vormals als "Wiederbewaldung" der Sophiensäle in Berlin inszeniert, verpaart sich die Performance, zu der man an diesem langen Abend immer wieder zurückkehren kann und die einen wahrhaftigen Sog auf ihre Zuschauer ausübt, mit der zeitgleich stattfindenden Nacht der Industriekultur, "ExtraSchicht", die seit 2001 aktuelle und ehemalige Stätten industrieller Arbeit im Ruhrgebiet mit diversen Veranstaltungen adelt und im benachbarten Müga-Park mit einem begehbaren Labyrinth, Walk-Acts und Feuerwerk aufwartet. Diese Synergie ist ein richtungsweisender Glücksfall, der den üblicherweise rücksichtslos in Konkurrenz stehenden Veranstaltungen und Festivals an Rhein und Ruhr gegenübersteht.“

Fortune Teller, im Rahmen von Dreck – Ein Apparat

taz vom 11.6.2015, Astrid Kaminski
"Eines aber ist schon einmal klar: Dreck ist mehr als eklig. Gelegentlich sogar tatsächlich magisch, etwa wenn sich Maika Knoblich und Hendrik Quast absurd relaxt wie Prinz und Prinzessin bei der Pause von einer unmöglichen Aufgabe durch ihre "Fortune Teller"-Performance quatschen. Sämtliche Bleigieß-, Wolkenguck- und Freundin-Lese-Erfahrungen kommen zum Einsatz, um aus dem Kaffeesatz des mokkatrinkenden Publikums zu lesen. Ständig gibt es was zu lösen, aber keine Lösungen. Mit ihrer Donquichotterie beförderten sie ihre Gäste auch ohne harte Drogen ins Delirium."

Friktion Magazin vom 1.12.2015: „WORKS AT WORK: The Performer as a post modern worker“
"The art of ‚keeping up an interesting conversation about nothing’ – In “Fortune Teller” by German duo Quast & Knoblich the framework for the audience participating was clearer. Upon entering the stage, we’re invited to serve ourselves a cup of very sweet hot chocolate from a chocolate fountain, leave the cup to the performers, who (in strong German accents) tell us our respective future, all depending on what they read in the traces left in the cup. The room suddenly turns into a spiritual new age therapy session where improvised advice is given to the very entertained audience. Sometimes the performers struggled to keep a straight face, which at first glance may seem unprofessional, but later became part of the whole aesthetic of the work, especially when one of them leaves the stage to go to the bathroom. You sense that maybe nothing they say or do has any importance, which in the end what makes it important to witness. The ongoing speech about nothing, the smalltalk and gossiping mixed with the ironic seriousness and meaningfulness of a therapy session, showed a transparency of the performers own friendship and working method on the stage and blurred the line between professional life and everyday life."

Cecilie Ullerup Schmidt, Artistic Director, im Programmheft von Works at Work über Quast & Knoblich, Oktober 2015
"Quast & Knoblich can gossip and small talk like no other performance group. I guess it is the theatricalized, uncanny nature of friendship, which we hear and see, when the duo drinks coffee and smoke herbal cigarettes on stage while miming a Tupperware party and reading the future in a small, small cup."


Performance „Mohrle“ (Sophiensaele Berlin, brut Wien, Gessner-allee Zürich, Mousonturm Frankfurt, FFT Düsseldorf – Frei-schwimmer Festival INTIM)

Berliner Zeitung vom 20.10.14, Doris Meierhenrich
"Alles in dieser doppelsinnigen Musical-Präparation ist Zeichenraum, und doch wirbelt die reale Maus-Taxidermie auf dem Tisch in der Bühnenmitte wie eine Windhose durch die Symbolwelt.
Genauer, witziger, brutaler und mutiger kann man die Widersprüche des sogenannten Intimen als Darstellung kaum auf den Punkt bringen. [Quast] erweist sich in seiner Ein-Lebewesen-Travestie "Mohrle" als geschickter Jongleur jener Kunst, die das Sezieren ihrer eigenen Mittel als reichhaltige Brutstätte für Dramen nutzt. Das Drama hier ist natürlich die "Innerlichkeit", das "wahre Gefühl". Und das frisst Leben, ob es großkünstlerisch simuliert oder kunstlos ausgestellt wird."

Tagesspiegel vom 21.10.14, Patrick Wildermann
"Der Performer Hendrik Quast erzählt in „Mohrle“ eine grausame, aber großartige Fabel. Im Katzenkostüm trällert der Mann Evergreens, während er anderthalb Stunden lang ein tote Maus präpariert. Die soll nämlich in Rolle und Kostüm der Glamour-Katze Grizabella schlüpfen. Und bekommt, während ihr mit dem Skalpell das Fell abgezogen wird, von Kater Quast zärtliche Regieanweisungen eingeflüstert: „Du bist die Ausgestoßene, die ein Zuhause sucht“. Schön anzusehen ist diese blutige Live-Präparation nicht. Aber mit welcher Konsequenz hier von den Schrecken eines Einfühlungstheaters erzählt wird, das vom Schauspieler verlangt, sein Innerstes nach außen zu kehren, das trifft tatsächlich ins Mark. Exakt dies ist der Preis für die viel beschworene intime Beziehung zwischen Künstler und Publikum."

Frankfurter Rundschau vom 14.1.15, Sylvia Staude
„Nach vielleicht fünf Minuten geht die erste Zuschauerin raus, nicht ohne laut „Viel Spaß noch“ gewünscht zu haben (sie meinte es zweifellos sarkastisch). Andere Besucher der Aufführung mit dem Titel „Mohrle – Eine Fabel“ im Frankfurter Mousonturm folgen (...). Währenddessen wird vom als Katze verkleideten Hendrik Quast eine Maus präpariert. Die Maus ist anfangs bereits tot, leichenstarr. Aber man muss sich nicht ansehen wollen, wie einem kleinen Tierkörper das Fell über die Ohren gezogen wird. (...) Man kann es zum Beispiel unnötig finden, dass ein Theaterabend auf eine reale Maus setzt, statt sich mit dem Schein zu begnügen (Plastikhuhn, Kunstfellhündchen), wie es das Theater ja üblicherweise tut. Allerdings will Hendrik Quasts „Mohrle“ eben gerade keinen Spaß machen. Die im Mousonturm im Rahmen des Freischwimmer-Festivals gezeigte Performance setzt auf das leichte Grausen, das sich wohl bei den meisten Menschen einstellt, wenn sie die Häutung, die sorgsame Reinigung des Fellchens, dann wieder seine Befüllung mit einem vorbereiteten Stoffbündelchen verfolgen. Und sie setzt auf den absurde Funken schlagenden Zusammenstoß von ernsthaft ausgeführter Präparation und nur scheinbar ganz ernsthaften Mitteilungen aus dem Unterhaltungsbereich. (...) In der Tat könnte man bei „Mohrle“ (...) von einer Art Intimität sprechen, die sich aufgrund der blutigen Drastik des Vorgangs zwischen Performer und Publikum einstellt.“


„Schwanheimer Schleim“ (im Rahmen von EVAKUIEREN /Akira Takayama, Mousonturm)

nachtkritik vom 13.9.2014 von Esther Boldt
„Vor der Gaststätte einer Schrebergartenanlage steht ein Erdbeerhäuschen, in dem das junge Künstlerduo Quast & Knoblich eine wortwitzige Werbeshow der anderen Art performt, die gelben Schleim als Reinigungsprodukt anpreist und schön böse die Beruhigungslyrik von Wirtschaft und Politik persifliert.“


Hörspiel „Trauer tragen“, WDR 3 Köln Interview „Mainstream führt zu nichts“ mit Martina Müller Wallraf (Chefdramaturgin WDR) in EPD vom 27.6.14

Müller-Wallraf: Manche Sendungen entfalten ihre Wirkung erst dadurch, dass sie ihrem einmal gewählten Prinzip bis zum Ende treu bleiben. Ende vergangenen Jahres zum Beispiel haben wir "Trauer tragen" von Maika Knoblich und Hendrik Quast gesendet. Darin erklärt ein junger Mann fast eine Stunde lang in stoischer Gemütsruhe, wie man einen Grabkranz flicht. Der sitzt tatsächlich eine ganze Stunde lang im Studio und macht nichts anderes, als Blumen zu binden und zu erläutern, was er da gerade tut. Und erst nachdem man eine halbe Stunde zugehört hat und kapiert, dass wirklich nichts anderes mehr passieren wird, wird einem bewusst, wie radikal dieses Stück ist. Ich fand das stark. So werden inhaltliche Verschaltungen möglich - wie beim Übersprung in eine andere Umlaufbahn.
Es passiert etwas mit dir beim Zuhören, das Sinninhalte konturiert, ohne dass sie auserzählt werden.


Aktion zum 25. Geburtstag des Mousonturms „Das Geburtstags-geschenk“

junge Welt Tageszeitung vom 28.02.2014
„Zahlreiche Schauspiel- und Theaterwissenschaft-Studierende und Absolventen von Amsterdam bis Gießen agierten mit gutem Willen und manchmal wenig Prägnanz. Wirklich Neues wurde nicht vorgestellt – dafür aber einiges an Ergötzlichem: Wenn Hendrik Quast in die hohe Kunst des Geldscheinfaltens einführt, tut er dies mit der leise penetranten, stets verständnisvollen Stimme eines Psycho-Hypnators oder Scientology-Gurus. Wenn jedoch Tänzer uns an die Grenze des Tanzes führen wollen oder Kabarettisten uns moralischphilosophisch kommen, so mag man den guten Willen loben, kann aber nicht darüber hinwegsehen, daß genial gemeinte Schluderei noch keine Kunst ist."


Performance und Ausstellung „1. Frankfurter Tulpenschau“

Schirn-Onlinemagazin vom 19.4.2013, Vorankündigung
„Die Theatermacher Maika Knoblich und Hendrik Quast wollen Szenen aus Brueghels Gemälde nun in einer Performance im Mousonturm nachstellen – mit einem echten Affen, der von einer Tiertrainerin betreut wird. Knoblich und Quast haben unter anderem am renommierten Gießener Institut für Angewandte Theaterwissenschaft studiert. In ihren Performances beschäftigen sie sich schon länger damit, wie sich natürliche Prozesse in einer Theatersituation darstellen und inszenieren lassen. „Wir erschaffen einen Widerspruch: An dem flüchtigen Ort der Theaterbühne wollen wir etwas verwurzeln“, beschreibt Hendrik Quast das Vorhaben der beiden. (...) Schon im Januar haben sie mit der Arbeit an der „1. Frankfurter Tulpenschau“ begonnen, in dem sie im Foyer des Mousonturms ein Tulpenbeet anlegten. Den Wachstumsprozess der Blumen begreifen sie als Teil ihres Projekts – auch wenn das Ergebnis, weil der Frühling bislang mit Sonnenlicht sehr geizte, noch nicht zu einem perfekten Ergebnis geführt hat. „Partizipative Performances“ sind das Markenzeichen von Knoblich und Quast. Bei der 24-stündigen Performance „Heide“ haben die beiden in einem Theater in Utrecht gemeinsam mit dem Publikum eine Heidelandschaft auf und wieder abgebaut. Im Brut in Wien haben sie mit den Besuchern Kränze aus Heide und Kiefer geflochten. (...) Auch im Mousonturm sollen die Besucher aktiv werden – und gärtnern: Im Anschluss an das „Offene Gewächshaus“ wollen Knoblich und Quast mit ihren Gästen im Vorgarten des Künstlerhauses Tulpenzwiebeln einpflanzen. Damit ihr Projekt auch wirklich Wurzeln schlägt."


Performance „Heide“ von Maika Knoblich & Hendrik Quast

Böhme Zeitung vom 13.04.2012
zur Residenz in der Künstlerwohnung der Stadt Soltau: „Schon lange ist den Bewohner der Lüneburger Heide bekannt, dass sie in einer Kulturlandschaft leben. Doch jetzt erklären die Performance-Künstler Maika Knoblich und Hendrik Quast die Heide zur eigenständigen Kunstform.“


Performance „Heide“

Van Het Huis, Spielzeitheft des Produktionshauses Huis a/d Werf im März 2012 Vorbericht zur Premiere beim Festival a/d Werf in Utrecht (NL)
„Maika Knoblich and Hendrik Quast won the second pitch set up by Huis a/d Werf; a competition, which invited designers, architects and visual artists to create a new interdisciplinary piece. According to the judges, the things that make this a special project are the way it theatricalizes a natural process and the relevance of concentrating on issues of sustainability and food. That, plus the controversy over the project: where do the limits of art lie? (...) The heather used by Maika Knoblich and Hendrik Quast is removed from its natural context to regain another meaning inside the theatre.“


Performance „Trauer tragen“

Mannheimer Morgen vom 11.07.2012
„’Trauer tragen’ von Hendrik Quast und Maika Knoblich tauchte abenteuerlich komisch in die Welt der Trauerfloristik und stieß einen gleich hinterher in die dazugehörige Trauerfeier samt Kaffeetafel in einem bestürzend präzisen Realitätsspiel.“